B 8: Ortsumgehung Bad Camberg Ausführungsplanung läuft an – Baubeginn Anfang 2021

Der Auftrag zum Bau der Ortsumgehung Bad Camberg im Zuge der B 8 ist vergeben. Das Unternehmen erarbeitet nun die technische Ausführungsplanung für die Brücke über die L 3030 bei Erbach, die erste von insgesamt zehn Brücken im Zuge der Ortsumgehung. Auch die Baustelle wird bereits eingerichtet. Die eigentlichen Bauarbeiten starten dann Anfang nächsten Jahres, sobald es das Wetter zulässt. Der ursprünglich für den heutigen Dienstag geplante symbolische Erste Spatenstich konnte aus Gründen des Infektionsschutzes nicht stattfinden.

Die Ortsdurchfahrten von Bad Camberg, Erbach und Würges sind durch einen hohen Anteil an Durchgangsverkehr stark belastet. Rund 12.500 Fahrzeuge, darunter rund 300 Lkw, fahren täglich auf der B 8 durch Bad Camberg. Täglich staut sich der Verkehr im Bereich der Einmündungen der L 3030 von und nach Dauborn/Gnadenthal/Waldems sowie der L 3031 zur Autobahnanschlussstelle Bad Camberg der A 3 – verbunden mit hohen Emissionen (Lärm- und Schadstoffe) für die Bevölkerung innerhalb der Ortskerne. Die starke verkehrliche Belastung erhöht die Trennwirkung der B 8 innerhalb der Ortslage, die Nutzung des Straßenraumes als Lebens- und Aufenthaltsraum für die Anwohner ist stark eingeschränkt. Da die B 8 in diesem Bereich als Bedarfsumleitung bei unfallbedingten Sperrungen auf der A 3 dient, führt dies in der Ortslage regelmäßig zu Staus. Mit der Umgehungsstraße soll der Luftkurort Bad Camberg verkehrlich entlastet, die städtischen Straßen und Kreuzungen wieder leistungsfähig sowie eine deutliche Verkehrsberuhigung in Bad Camberg, Erbach und Würges erreicht werden. So wird sich laut Verkehrsprognose der Verkehr in der Ortsdurchfahrt von Erbach um 31 Prozent verringern; in der Ortsdurchfahrt von Bad Camberg wird 29 Prozent weniger Verkehr erwartet; in der Ortsdurchfahrt von Würges wird eine Entlastung um 36 Prozent des Verkehrs prognostiziert.

Auf 6,6 Kilometern wird die B 8 zukünftig westlich an Bad Camberg und den beiden Stadtteilen Erbach und Würges vorbeiführen. Durch diese weiträumige Streckenführung wird die Lärmbelastung für die Ortschaften so weit minimiert, dass keine Lärmschutzmaßnahmen notwendig sind. Insgesamt zehn Brückenbauwerke werden im Zuge der Ortsumgehung errichtet. An zwei dieser Brücken (nordwestlich von Erbach sowie westlich von Würges) wird die Ortsumgehung die bei Bad Camberg verlaufende Bahnlinie unterqueren. Die L 3031 nach Bad Camberg wird die Ortsumgehung mit einer Brücke überqueren. Darüber hinaus sind Brücken für das landwirtschaftliche Wegenetz eingeplant. Nördlich von Erbach und südlich von Würges wird die Ortsumgehung die Emsbachaue überqueren. Dabei wird die südliche Brücke über den Emsbach mit rund 160 Metern das längste Brückenbauwerk der Ortsumgehung werden.

Der Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumgehung Bad Camberg wurde im Mai 2017 rechtsbeständig.

Im vergangenen und in diesem Jahr sind bereits vielfältige vorbereitende Arbeiten für die Ortsumgehung umgesetzt worden: Archäologische Vorerkundungen auf der neuen Trasse, umfangreiche Sondierungen auf Kampfmittel im Baufeld sowie umfassende landespflegerische Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen) für den Artenschutz. Als solche landespflegerischen Maßnahmen sind Flächen, die dem Erhalt der Turteltaubenpopulation dienen, mit Feldgehölzen bepflanzt worden. Für den Schutz der Population des Steinkauzes wurden auf ehemaligen Ackerflächen Bäume gepflanzt und mit Brutröhren (Nisthilfen) ausgestattet. Zudem sind auf insgesamt 20.150 Quadratmetern bereits Ersatzaufforstungen umgesetzt worden. Bei dieser Ersatzaufforstung wird durch den Bau der Ortsumgehung verlorengehender Wald durch Neuaufforstungen ersetzt. Bis Mitte Dezember dieses Jahres wird zudem die Gewässerrenaturierung des Emsbachs bei Bad Camberg als zweites großes landespflegerisches Ausgleichsprojekt für die Ortsumgehung fertiggestellt.

Der elf Meter langen Brücke über die L 3030 kommt auch eine wichtige Funktion in der zukünftigen Baustellenandienung zu: Während der weiteren Bauarbeiten an der Umgehungsstraße wird diese neue Brücke ein wichtiger Zubringer für Baufahrzeuge auf die Baustelle sein. Da die L 3030 bei Erbach aufgrund ihres starken Gefälles und der sehr beengten Verhältnisse in der Ortsdurchfahrt für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen gesperrt ist, muss der Baustellenverkehr während der zukünftigen Bauarbeiten an der Ortsumgehung – auch für den Bereich nördlich der L 3030 – über die Landesstraße 3031, das südliche Baufeld und die neue Brücke über die L 3030 erfolgen. Durch diese Brücke kann der Baustellenverkehr separat die Landesstraße überqueren, ohne den Verkehr der Landesstraße zu beeinträchtigen. Circa 15 Monate Bauzeit sind für die Bauarbeiten an der Brücke über die L 3030 eingeplant.

Parallel zu den Bauarbeiten an der neuen Brücke laufen die weiteren Planungsarbeiten für die Ortsumgehung auf Hochtouren: Die Bauwerksentwürfe für die weiteren Brücken werden erarbeitet. Auch die Ausführungsplanung für den Streckenbau schreitet weiter voran.

Die Fertigstellung der nach aktueller Kostenermittlung rund 90 Millionen Euro teuren Ortsumgehung wird nach jetzigem Stand sieben Jahre beanspruchen.

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