Freizeit- und Erholungsbad bleibt im Jahr 2020 geschlossen

Der Sommer rückt immer näher, die hessische Landesregierung lässt seit dem 15. Juni 2020 dank sinkender Fallzahlen Corona-Infizierter den Betrieb von Schwimmbädern wieder zu.
Damit wäre nun auch der Wunsch der Unterstützer einer Online-Petition/Unterschriftenliste nach einer Öffnung des Bad Camberger Freizeit- und Erholungsbads zum 1. Juli 2020 rechtlich umsetzbar.
Der Magistrat der Stadt Bad Camberg hatte sich aufgrund des bisherigen Verbots bereits im April 2020 in einer gemeinsamen Presseerklärung mit der Mehrzahl der kommunalen Schwimmbadbetreiber im Kreis Limburg-Weilburg gegen eine Öffnung in der Saison 2020 ausgesprochen.
Die geänderten Rahmenbedingungen und auch die  in der vergangenen Woche überreichte Unterschriftenliste hat Bürgermeister Jens-Peter Vogel zum Anlass genommen, den Magistrat seine Entscheidung unter Würdigung aller Umstände noch einmal überdenken zu lassen.
Bauamtsleiter Jan Pieter Subat hat das Gremium über den zeitlichen Vorlauf für die zur Eröffnung alljährlich notwendigen Instandsetzungsarbeiten informiert, die unter günstigsten Bedingungen mindestens sechs, realistisch betrachtet aber eher acht Wochen beanspruchen. Der Kostenaufwand hierfür beläuft sich nach vorliegender Ermittlung auf rund 78.000 €.
Vor Mitte August 2020 ist eine Eröffnung und Inbetriebnahme demnach kaum realisierbar.
Aber was heißt Schwimmbadbetrieb aktuell überhaupt? Eine Vorstellung davon geben einem die entsprechende Verordnung des Landes Hessen in Verbindung mit den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes sowie der Pandemieplan Bäder der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e. V. .
Maßnahmen wie Abstandsmarkierungen auf dem Boden, Kassentheken mit Plexiglasschutz und möglichst bargeldloses Bezahlen kennt man mittlerweile aus anderen Bereichen.
Die Überwachung der Besucherzahlen ist obligatorisch, ebenso sollen auch Warteschlangen vermieden werden. Praktisch bedeutet dies, dass die Zu- und Abgänge gezählt werden und nach Möglichkeit eine Voranmeldung für den gewünschten Badbesuch über Internet oder Telefon-Hotline erfolgt. Hierfür müssen technische und auch personelle Kapazitäten geschaffen werden.
Selbst wenn im Bad natürlich keine lückenlose Überwachung erwartet werden kann, ist der Betreiber doch in der Pflicht, das Verhalten der Besucher zu beaufsichtigen und ggf. einzuschreiten, wenn z. B. Abstands- oder Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Die Häufigkeit der Desinfektion von Sanitär- und auch Beckenumgangsflächen ist deutlich zu erhöhen, Handläufe an Beckenrändern oder Türgriffe sollen in kurzen Intervallen einer Wischdesinfektion unterzogen werden. Empfohlen wird zudem die Nutzung von Duschräumen und WC-Anlagen nur wenigen Personen gleichzeitig zu gestatten. Kleine Becken, wie etwa ein Warmwasserbecken oder ein Planschbecken sollten ggf. gesperrt werden, wenn eine Einhaltung der Abstandsregeln schwer möglich erscheint. Es ist angeraten, die Verkehrswege, insbesondere die Durchschreitebecken, so zu gestalten, dass kein Begegnungsverkehr stattfindet. Soweit die Vorgaben, bevor man überhaupt das Becken zum Schwimmen erreicht hat.
Aber auch dort gehen die Einschränkungen weiter. Die vom Land Hessen geforderten mindestens 5 m² pro Besucher sowohl auf der Liegefläche als auch im Wasser sind nur ein theoretischer Wert für eine Maximalbelegung. Tatsächlich sollten Bahnleinen und vorgegebene Schwimmrichtungen die Einhaltung des Sicherheitsabstandes unterstützen. Bahnbreiten sind dabei mit 2 bis 2,5 m empfohlen, bei einem Abstand der Schwimmer in Längsrichtung von mindestens zwei Meter (bei sportlichem Schwimmen sogar drei Meter) hat sich der tatsächliche Raumbedarf pro Schwimmer praktisch verdoppelt und die maximale Anzahl von Schwimmern halbiert.

Ein entspannter und ggf. auch spontaner Freibadbesuch ist unter diesen Vorgaben nicht machbar.
Mit dem eingangs angeführten Vorlauf könnten wir mit etwas Glück vielleicht noch einen guten Monat das Schwimmbad bei sommerlichen Temperaturen öffnen, ein Badevergnügen wird sich aber nur sehr begrenzt einstellen unter den grob geschilderten Rahmenbedingungen. Eine frühere Beauftragung der Instandsetzungsarbeiten ohne Gewissheit, dass eine Öffnung überhaupt zulässig ist, wäre einem Pokerspiel gleich gekommen, da die Arbeiten durch Stillstand der Anlage und Wintersaison jedes Jahr aufs Neue anfallen und insofern nicht im Vorgriff auf eine Öffnung in 2021 erfolgen können.
Anstatt möglicherweise mit Steuergeldern zu pokern, hat man lieber seinen Einwohnern mit der kostenlosen Abgabe von Schutzmasken im Wert von über 30.000 € tatsächliche Hilfe geboten.

Der Magistrat bittet um Verständnis für die Schließung des Freizeit- und Erholungsbades in der Saison 2020. Der Bürgermeister stellt ergänzend heraus, dass man gerade in der Ferienzeit insbesondere den Kindern und Jugendlichen gerne Freibadbesuche ermöglicht hätte, zumal auch die Ferienspiele nicht stattfinden. Die lange Ungewissheit über die Zulässigkeit der Öffnung von Schwimmbädern im Zusammenspiel mit der langen Vorlaufzeit für eine Inbetriebnahme hat dies leider verhindert.