2.2 Gesetzlich geschützte Flächen und Objekte sowie planerische Vorgaben

Das Offenland östlich der bestehenden Bundesstraße 8 und der Ortslagen liegt innerhalb der Grenzen des Naturparks "Hochtaunus". Der Naturpark dient der Sicherung der bedeutsamen Erholungsfunktionen dieses Gebietes.

Die außerhalb der Ortslagen nördlich der Kernstadt Bad Camberg gelegenen Bereiche der Emsbachaue gehören zum Landschaftsschutzgebiet "Auenverbund Lahn-Dill". Seine Verordnung schützt vorrangig die unbebaute Auenlandschaft, lässt jedoch im Rahmen verbindlicher Planungen Siedlungs-, Gewerbe-, Verkehrs- und Freizeitentwicklungen zu.

Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, Naturschutzgebiete, Geschützte Landschaftsbestandteile, Naturdenkmäler oder andere naturschutzrechtlich festgesetzte Schutzgebiete und Schutzgegenstände sind im Planungsraum sowie in der Wirkzone der geplanten Ortsumgehung nicht vorhanden.

Nach § 30 BNatSchG sind bestimmte Lebensräume gesetzlich geschützt. Handlungen, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen und nachhaltigen Beeinträchtigung dieser Biotope führen können, sind unzulässig soweit die Maßnahme nicht aus Gründen des überwiegenden Gemeinwohls notwendig sind. Im Untersuchungsgebiet gehören naturnahe Bereiche fließender Gewässer einschließlich ihrer Ufer sowie Seggenund binsenreiche Nasswiesen zu den nach § 30 BNatSchG geschützten Biotopen. Die entsprechenden Verbote gelten nach § 13 HAGBNatSchG auch für Alleen und Streuobstbestände außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile.

Darüber hinaus sind Lebensraumtypen des Anhangs 1 der FFH-Richtlinie der Europäischen Union repräsentativ zu schützen. Hierzu gehören im Untersuchungsgebiet kleinflächig erhaltene, relativ artenreiche, extensiv genutzte Frischwiesen (Lebensraumtyp 6510) und Ufergehölze im Überschwemmungsbereich der Fließgewässer (Lebensraumtyp 91E0). Die örtlichen Vorkommen von FFH-Lebensraumtypen sind aufgrund ihrer geringen Ausdehnung und überwiegend ungünstigen Erhaltungszustände für das Schutzgebietssystem Natura-2000 aber ohne Bedeutung.

Gemäß § 7(14) BNatSchG streng geschützte Tierarten sind Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie sowie die heimischen Vogelarten. Streng geschützte Pflanzenarten fehlen im Untersuchungsgebiet. Von den streng geschützten Tierarten wurden 9 Fledermausarten, die Zauneidechse und der Wiesenknopf-Ameisenbläuling festgestellt. Dazu kommen 66 Vogelarten im Untersuchungsgebiet, von denen 28 bestandsgefährdet und somit planungserheblich sind.

Das Untersuchungsgebiet liegt größtenteils in amtlich festgesetzten Trinkwasserschutzgebieten. Diese umfassen die geschützten Einzugsgebiete der Tiefbrunnen und Entnahmegalerien nordwestlich Erbach (TB "Kleinmühle"), westlich der Kernstadt Bad Camberg (Entnahmegalerie "Herrnau / Dammersborn" und TB "Wacholderwiese"), nordwestlich Würges (TB "Mühlberg") und südlich Würges (TB "Walsdorfer Weg"; WSG im Ausweisungsverfahren). Außerdem liegt der nördliche Teil des Plangebietes im Bereich geplanter Heilquellenschutzgebiete.

Gemäß § 38 Wasserhaushaltsgesetz und § 12 Hessisches Wassergesetz sind die Uferbereiche von Fließgewässern einschließlich ihrer Befestigungen und ihres Bewuchses außerhalb der Ortslagen zu schützen und von baulichen Anlagen frei zu halten.

Innerhalb des Untersuchungsgebietes sind diverse Objekte, Gebäude und Gebäudeteile in den Ortslagen sowie die Ringmauer und die Reste zweier Schalentürme in Walsdorf als Kulturdenkmäler nach dem Denkmalschutzgesetz geschützt. Diese Denkmäler sind vom Straßenbauvorhaben nicht betroffen und werden deshalb im Weiteren nicht behandelt.

In der Feldflur zwischen den Ortslagen von Würges und Walsdorf sind im Jahr 2002 bei archäologischen Ausgrabungen bedeutsame Siedlungsreste aus bandkeramischer Zeit freigelegt worden. Die Fundstätte ist beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege als Bodendenkmal katalogisiert. Zwei weitere Bodendenkmäler in der Gemarkung Bad Camberg befinden sich abseits der Trasse der geplanten Ortsumgehung und werden deshalb im Weiteren nicht behandelt.

Im Landesentwicklungsplan Hessen 2000 ist das Untersuchungsgebiet außerhalb der Ortslagen als "Agrarischer Vorzugsraum" ausgewiesen. Außerdem ist die Ortsumgehung Bad Camberg als Planung dargestellt.

Im Regionalplan Mittelhessen 2010 ist die Ortsumgehung mit der aktuellen Linienführung als abgestimmte Planung verzeichnet. Westlich Bad Camberg ist zwischen der Bahnlinie Limburg-Frankfurt und der B 8neu ein „Vorranggebiet Industrie- und Gewerbe“ (Planung) ausgewiesen. Weitere Siedlungserweiterungen im Untersuchungsgebiet sind am nordwestlichen Ortsrand von Erbach sowie zwischen dem Emsbach und der Bahnlinie Limburg-Frankfurt westlich Bad Camberg und am südöstlichen Ortsrand der Kernstadt als Bestandteile des Regionalplans geplant beziehungsweise im Entstehen.
Die Ackerkomplexe hoher Nutzungseignung westlich der Bahnlinie Limburg-Frankfurt, nördlich der L 3030 und die gesamte Feldflur westlich Würges werden im Regionalplan als „Vorranggebiet für Landwirtschaft“ dargestellt. Die übrigen Freiflächen sind außerhalb der Emsbachaue als „Vorbehaltsgebiet für Landwirtschaft“ ausgewiesen, die Emsbachaue als „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“. Westlich der bestehenden Bundesstraße 8 sowie nördlich der Kernstadt Bad Camberg ist nahezu das gesamte Offenland des Plangebietes im Bereich des Regierungspräsidium Gießen als „Vorbehaltsgebiet für den Grundwasserschutz“ ausgewiesen. Größte Teile des Plangebietes einschließlich besiedelter Bereiche der Stadtteile Bad Camberg und Erbach sind als „Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen“ gekennzeichnet.

Der im Plangebiet gelegene nördliche Teil der Gemarkung Walsdorf ist im Regionalplan Südhessen 2000 als „Regionaler Grünzug" gekennzeichnet. Das Offenland westlich der Ortslage von Walsdorf ist als „Bereich für die Landwirtschaft" ausgewiesen. Die waldfreien Flächen nördlich Walsdorf und östlich der B 8 sind als „Bereich für Landschaftsnutzung und -pflege" und außerdem als „Bereich für die Grundwassersicherung" dargestellt. Der Anschluss der geplanten Ortsumgehung an die bestehende Bundesstraße 8 ist an der Grenze der Regierungspräsidien Gießen und Darmstadt auf dem Gebiet der Gemarkung Walsdorf verzeichnet.

Der Flächennutzungsplan der Stadt Bad Camberg weist innerhalb des Plangebietes neben dem Bestand die Trasse der geplanten Ortsumgehung sowie zusätzliche Wohnbauflächen im Süden der Ortslage von Oberselters und im Norden von Erbach als Planung aus. Im Westen der Kernstadt Bad Camberg ist südlich der L 3031 ein geplantes Gewerbegebiet eingetragen, das bis an die vorgesehene Ortsumgehung heranreicht. Entlang des westlichen Ortsrandes von Würges ist eine Waldmehrungsfläche eingetragen. Südwestlich Würges sind entlang des Brombaches und an einem Graben die Umwandlung "problematischer Ackerflächen in Auenlage" zu Grünland sowie "Gehölzpflanzungen an Gewässerufern und Gräben" vorgesehen. In der offenen Feldflur westlich der Bahnlinie Limburg-Frankfurt verzeichnet der Flächennutzungsplan entlang von Wirtschaftswegen ein Netz linearer "Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft" sowie die Anlage von Gehölzstreifen.

Der Stadtentwicklungsplan und der Flächennutzungsplan der Stadt Idstein sehen für den im Untersuchungsgebiet gelegenen Bereich der Ortslage Walsdorf keine Siedlungserweiterungen vor. Als Ziel der Siedlungsentwicklung des Stadtteils wird die Bewahrung der "Einmaligkeit und Schönheit" der historischen Bausubstanz mit dem geschlossenen Scheunenkranz auf der ehemaligen Stadtmauer im StadtentwicklungsBplan festgestellt. Für den Westrand von Walsdorf ist im Flächennutzungsplan eine Ortsrandeingrünung mit Gehölzen verzeichnet. Die Auen von 'Emsbach' und 'Knallbach' sind als Bereiche für den Schutz oberirdischer Gewässer gekennzeichnet. Sämtliche Bachauen werden als Bereiche für den Artenschutz dargestellt. Alle in den Auen der Gemarkung Walsdorf gelegenen Ackerflächen sind nach dem Flächennutzungsplan in Grünland umzuwandeln.

Für Beeinträchtigungen durch den Bau der ICE-Strecke Köln - Rhein/Main sind Ausgleichsmaßnahmen der Deutschen Bahn im Bereich von Gemarkungen der Stadt Bad Camberg festgesetzt worden. Die Straßenanlage der B 8neu beansprucht an drei Stellen in geringem Umfang Ausgleichsflächen der Bahn (Bau-km 1+710 , Bau-km 2+750, Bau-km 3+450), die durch die Maßnahmen C3 und A9 kompensiert werden.