2.3.2 Schutzgut Mensch einschließlich Siedlungen, Landschaft, Erholung

Die innerhalb des Untersuchungsgebietes gelegenen Siedlungsbereiche weisen erhebliche Beeinträchtigungen durch verkehrsbedingte Lärm- und Schadstoffimmissionen im Bereich der bestehenden Ortsdurchfahrten der B 8 in den Stadtteilen Erbach, Bad Camberg und Würges auf. Der Verkehr auf der Bundesstraße beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen, schränkt die Qualität ihres Wohnraumes und Wohnumfeldes ein und verursacht erhöhte Unfallgefahr vor allem für Kinder. Die Trennwirkungen der Ortsdurchfahrten im Bereich der B 8 beeinträchtigen die Siedlungsfunktionen und die städtebaulichen Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Die verkehrsbedingte Luftverschmutzung gefährdet den Status der Stadt als Kurort. Diese Belastungen sind die maßgeblichen Anlässe für die Planung der Ortsumgehung.

Die Siedlungen innerhalb des Untersuchungsgebietes sind von unterschiedlicher Struktur. Die jüngeren, locker bebauten Wohngebiete am Rande der Ortslage von Oberselters und im Norden von Erbach mit Ein- und Zweifamilienhäusern erfüllen die typischen Merkmale von Neubaugebieten. Architektonisch sind die einzelnen Wohngebäude in den Neubausiedlungen ausgesprochen heterogen. Der durch enge, ebenfalls heterogene Bebauung charakterisierte Ortskern des Stadtteils Erbach weist wenige attraktive historische Gebäude auf. Es herrschen mit verschiedenen Baustoffen verkleidete Fachwerkhäuser vor, die zusammen mit eingestreuten Neubauten ein architektonisch unausgewogenes Bild ergeben. Die Siedlungsfunktionen des Ortskerns von Erbach sind durch den starken Fahrzeugverkehr auf der Ortsdurchfahrt der bestehenden Bundesstraße 8 erheblich beeinträchtigt.

Innerhalb der Ortslage Bad Camberg liegen Bereiche junger Gewerbebebauung mit sehr heterogenen Zweckbauten innerhalb des Untersuchungsgebietes, in der Ortslage von Würges ein Neubaugebiet sowie ältere Bebauung mit einigen landwirtschaftlichen Gehöften, Nutzgärten und Sportanlagen.

Unter landschaftlichen und kulturhistorischen Gesichtpunkten hervorzuheben ist der historische Ortskern von Walsdorf. Exponiert über der Emsbachaue gelegen weist die alte befestigte Siedlung eine geschlossene Bebauung mit Fachwerkanwesen des 17. und 18. Jahrhunderts auf. Nach Norden und Osten bildet eine zusammenhängende lange Reihe von Scheunen, die an der Oberkante eines Steilhanges auf der mittelalterlichen Rundmauer erbaut sind, einen hervorragend erhaltenen historischen Ortsrand, der für die umliegenden Landschaften eine bedeutsame, attraktive Sichtbeziehung darstellt. Der Ort wird von einem gotischen Rundturm überragt.

Außerhalb der Ortslagen lässt sich das Untersuchungsgebiet in verschiedene Landschaftsteilräume gliedern, die hinsichtlich des Landschaftsbildes, der Vielfalt der Landschaftsbestandteile und der Naturnähe deutlich voneinander abweichen. Die Emsbachaue zwischen Oberselters und Kleinmühle wirkt naturnah und unverbaut; ihr Bild wir von Grünland und gut entwickelten Ufergehölzen geprägt. Westlich der Ortslage von Erbach sind in der Emsbachaue auentypische Landschaftsbestandteile nur auf Teilflächen erhalten. Die Gewerbebebauung der Kleinmühle, eine umfangreiche Sportanlage, Wohnbebauung entlang der L 3030, Ackerflächen und ein Pumpwerk überformen hier das Bild der Auenlandschaft und verleihen dem Gebiet einen relativ naturfernen Charakter. Südlich Würges ist die Emsbachaue bis an die Südgrenze des Untersuchungsgebietes mit Ausnahme der „Walkmühle“ bei Walsdorf frei von Bebauung. Der Talboden wird größtenteils als Grünland bewirtschaftet und das begradigte Fließgewässer ist von landschaftsprägenden Ufergehölzen aus vorherrschenden Weidenbäumen gesäumt. Die landschaftliche Attraktivität dieses Abschnittes der Emsbachaue wird durch die Sichtbeziehungen auf den historischen Ortsrand von Waldsdorf erhöht.

Die Talhänge westlich von Erbach werden überwiegend als Grünland genutzt und weisen eine vielgestaltige und landschaftlich reizvolle Feldflur mit bewegtem Relief, ausgedehnten Gehölzen und Resten von Streuobstbeständen auf. Am östlichen Rand des Landschaftsteilraumes verläuft die Eisenbahnlinie Limburg-Frankfurt, die größtenteils von Strauch- und Baumgehölzen begleitet wird. Der Talrand östlich des Emsbaches nördlich Erbach zeichnet sich durch ein bewegtes Relief, relativ große Feldgehölze, Streuobstbestände und Grünlandflächen aus, die ihm ein recht vielgestaltiges, ansprechendes, mäßig naturnah wirkendes Landschaftsbild verleihen.

Westlich und nördlich Erbach sowie südlich der Kernstadt Bad Camberg liegen ausgedehnte, einförmige, intensiv bewirtschaftete Ackerkomplexe, in denen nur wenige landschaftsprägende Elemente erhalten geblieben sind. Ihre Landschaftsqualität und -funktionen sind stark eingeschränkt. Beim Gründches-Berg ist das Landschaftsbild der von intensivem Ackerbau geprägten Feldflur durch teilweise alte Baumbestände an der Landesstraße 3031, eingestreute Wiesen, Streuobstgruppen und Feldgehölze stärker gegliedert als in den umliegenden Bereichen. Am Rande ist das Gebiet durch die ICETrasse Köln – Rhein/Main der Bahn und die Bundesautobahn 3 überformt.

Im Südwesten von Würges bildet das Brombach-Tälchen aufgrund seiner von den umliegenden eintönigen Ackerflächen abweichenden Ausstattung einen kleinen, relativ attraktiven Landschaftsteilraum mit bewegtem Relief, Wiesen, Viehweiden, einzelnen Obstbäumen, Baumreihen und kleinen Streuobstbeständen. Das an den westlichen Ortsrand von Walsdorf angrenzende Knallbach-Tälchen ist ein von ausgedehntem Ackerland umgebener kleiner Teilraum mit vielfältiger Ausstattung. Im nördlichen Bereich liegt ein umfangreicher Kleingartenkomplex. Zum Ort steigt das Gelände steil an und ist mit dichtem Gehölz bewachsen.

Das östlich der Emsbachaue bei Walsdorf ansteigende Gelände wird großenteils intensiv als Acker genutzt. Die Feldflur ist allerdings durch zwei große Erosionsrinnen gegliedert, die mit dichten Baum- und Strauchbeständen bewachsen sind und attraktive naturnahe Landschaftsbestandteile darstellen.

Bereiche der Kurstadt Bad Camberg, die bevorzugt für die Erholung genutzt werden, befinden sich im Wesentlichen außerhalb des Plangebietes östlich der Kernstadt. Die im Umfeld der vorgesehenen Ortsumgehung gelegenen Flächen werden aufgrund relativ geringer Attraktivität des Landschaftsbildes, Belastungen in Form von Verkehrslärm oder erschwerter Zugänglichkeit nur in geringem Maße als Naherholungsräume genutzt. Überörtliche Erholungsfunktionen erfüllt kein Teil des Plangebietes.

Die für die Naherholung bedeutsamsten Bereiche des Untersuchungsgebietes sind die landschaftlich attraktive offene Emsbachaue zwischen Oberselters und der Kleinmühle sowie der westliche Teil der Emsbachaue bei Walsdorf. Sie werden häufig von Bewohnern der anliegenden Siedlungen für Spaziergänge aufgesucht.

Die Talhänge westlich der Emsbachaue und nördlich der L 3030 nach Dauborn werden von der örtlichen Bevölkerung trotz ihrer ruhigen Lage und ihres reizvollen Landschaftsbildes aufgrund eingeschränkter Zugänglichkeit nur wenig aufgesucht. Die unmittelbar an die Ortslagen von Erbach und Bad Camberg angrenzende Emsbachaue wird von den Anwohnern südlich der L 3030 gelegentlich für kurze Spaziergänge genutzt. Ähnliche Bedeutung für die Naherholung hat das am Ortsrand von Walsdorf gelegene Knallbach-Tälchen.

Mit Ausnahme der Kleingartenkomplexe und Sportanlagen, deren Freizeitfunktionen von der Landschaftsqualität relativ unabhängig sind, haben alle übrigen Bereiche des Untersuchungsgebietes keine nennenswerte Bedeutung für die Erholung.