2.3.3 Schutzgut Tiere und Pflanzen

Die Flora und Vegetation des Plangebietes sind von geringer Vielfalt, was auf die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die Nivellierung der Standortvielfalt zurückzuführen ist. Die außerhalb der Emsbachaue vorherrschenden Ackerflächen tragen infolge gründlichen Pestizideinsatzes nur noch Rudimente von Segetalvegetation. Auch die Vegetation der intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen ist betont artenarm und einförmig. Nur auf flachgründigen Standorten bei Oberselters, an den Talhängen westlich der Bahnlinie Limburg-Frankfurt sowie auf wenigen weiteren kleinen Flächen finden sich mäßig artenreiche Frischwiesen.

Naturnahe Gehölzvegetation bedeckt die Erosionsrinnen westlich Erbach und östlich Walsdorf. Dabei handelt es sich um strukturreiche, aus Bäumen und Sträuchern zusammengesetzte Feldgehölze. Der Emsbach wird von gut entwickelten Ufergehölzen aus heimischen Arten gesäumt. Weitere Gehölze sind kleine Schwarzdorn-Gebüsche und Streuobst-Gruppen sowie naturnahe Baum- und Strauchbestände entlang der Bahnlinie Limburg-Frankfurt.

Die Vielfalt an Pflanzenarten im Untersuchungsgebiet ist relativ gering. Neben weit verbreiteten, überregional häufigen Arten wurden nur drei Arten nachgewiesen, die nach den Roten Listen Hessens oder Deutschlands bestandsgefährdet sind. Zwei der Rote-Liste-Arten sind einjährige Ackerunkräuter, die nur mit wenigen Individuen an wenigen Stellen auftreten. Die dritte nach den Roten Listen gefährdete Pflanze ist die Trauben-Trespe, ein leicht zu übersehende Gras, das auf einer Auenwiese bei Walsdorf festgestellt wurde.

Auch die Tierwelt des Plangebietes zeichnet sich durch eine reduzierte Artenvielfalt aus. Das H a a r w i l d , das im Plangebiet in geringer Artenvielfalt (10 Arten) mit teilweise niedrigen Populationsdichten vertreten ist, nutzt die Feldgehölze als Einstände. Die wichtigsten Wildwechsel liegen in der offenen Landschaft westlich parallel der Bahnlinie Limburg-Frankfurt. F l e d e r m ä u s e sind im Untersuchungsgebiet mit mindestens sieben streng geschützten Arten vertreten, von denen teilweise große Populationen vorkommen. Bedeutsame Fledermaus-Biotope sind die Vorwälder der Erosionsrinnen, die Bahndamm-Gehölze an der Bahnlinie Limburg-Frankfurt, das Auengrünland nördlich der Kleinmühle, die Gehölze am Reichstaler Hof, die ehemalige Allee westlich der Kernstadt und die Ufergehölze am Emsbach.

Von mittlerem Artenreichtum ist die V o g e l w e l t , die sich entsprechend der Ausstattung des Geländes vorwiegend aus Arten des Offenlandes und der Hecken zusammensetzt. Günstige Habitate sind vor allem der Emsbach und die Gehölzbestände, jedoch leben auch in den Ackerkomplexen mit Feldlerche, Rebhuhn und Schafstelze einige schutzbedürftige Arten. Im Untersuchungsgebiet wurden bei einer Neukartierung der Avifauna im Jahr 2009 insgesamt 66 Vogelarten nachgewiesen. Davon brüten vermutlich 52 Arten im Gebiet, zehn Arten sind Nahrungsgäste und vier Vogelarten wurden als Durchzügler beziehungsweise rastend beobachtet. Die Häufigkeit von gefährdeten und oder seltenen Arten ist gering. Von bestandsgefährdeten Arten der Hessischen Roten Liste und Vorwarnliste wurden 27 nachgewiesen. Vom Aussterben bedroht ist das Braunkehlchen, das im Gebiet als Durchzügler festgestellt wurde. Rebhuhn und Wiesenpieper sind als stark gefährdete Arten eingestuft, neun weitere Arten gelten als gefährdet und 15 Arten stehen auf der Vorwarnliste. Einen ungünstigen Erhaltungszustand in Hessen weisen 27 der im Gebiet festgestellten Vogelarten auf, wovon fünf Arten (Beutelmeise, Braunkehlchen, Gartenrotschwanz, Rebhuhn und Wiesenpieper) in die Kategorie „ungünstig-schlecht“ eingestuft sind.

Aus der Gruppe der R e p t i l i e n wurden die Blindschleiche und die streng geschützte Zauneidechse am Damm der Bahnlinie Limburg-Frankfurt festgestellt. Laichplätze und Landlebensräume von A m p h i b i e n sind mangels geeigneter Gewässer im Untersuchungsgebiet nicht vorhanden.

I n s e k t e n finden auf den wenigen schwachwüchsigen Hangwiesen nördlich der L 3030 günstige Lebensräume vor. Dort treten bestandsgefährdete T a g f a l t e r - u n d H e u s c h r e c k e n -Arten auf. Auf den Auenwiesen zwischen der Kleinmühle und Oberselters kommt die bestandsbedrohte Große Goldschrecke vor. In der Emsbachaue zwischen Walsdorf und Würges wurde eine kleine Population des streng geschützten Blauschwarzen Ameisenbläulings festgestellt. Am Emsbach leben besonders geschützte Libellenarten, nämlich die bundesweit gefährdete Blauflügel-Prachtlibelle und die Gebänderte Prachtlibelle.