4.1 Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen bei Bauwerksanlagen

V1 Optimierung der Linienführung der geplanten Ortsumgehung
Im Rahmen der Detailplanungen wurden Flächeninanspruchnahmen und Verinselungen von Flächen reduziert und Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes sowie des Biotopkomplexes der Emsbachaue vermindert.

V2 Verminderung der Grundfläche des geplanten Straßenbauwerkes
Über weite Abschnitte wird die geplante Ortsumgehung durch Geländeeinschnitte und über Dammschüttungen geführt. Zur Verminderung der Grundfläche werden die Böschungen relativ steil angelegt. Für die Rückhaltung des in Wasserschutzgebieten gesammelten Straßenwassers sind zur Verringerung des Flächenbedarfs anstelle von offenen Regenwasser-Rückhaltebecken unterirdische Stauraumkanäle vorgesehen. Durch eine Optimierung der Planung wurde außerdem ein Massenausgleich erreicht.

V3 Aufweitung der Brückenbauwerke über die Emsbachaue
Im Bereich der Emsbach-Querungen wird die geplante Umgehungsstraße bei Erbach sowie bei Walsdorf über Brücken geführt, deren lichte Weiten 135 m beziehungsweise 160 m betragen werden. Über den Fließgewässern ist eine lichte Höhe von mindestens 4,5 m geplant. Die Aufweitung der Brücken vermindert die Zerschneidung der Auenbiotope und reduziert die Eingriffsflächen im Bereich der Emsbachaue. Des Weiteren werden Eingriffe in das Überschwemmungsgebiet des Emsbaches vermieden. Die Pfeilerstellung der Talbrücken ist so optimiert worden, dass die Pfeilergrundflächen nicht im geschützten Uferbereich stehen.

V4 'Kleintierfreundliche' Gestaltung der Bahn-Überführungen
An den Bahndämmen, die für den Bau der Überführungsbauwerke für die Bahnlinie Limburg-Frankfurt zerschnitten werden, liegen bedeutsame Lebensräume der streng geschützten Zauneidechse. Die Zerschneidungswirkung wird gering gehalten, indem die Brückenbauwerke beidseitig einen durchgehenden Schotterstreifen neben dem eigentlichen Gleiskörper erhalten.

V5 Anwendung der RiStWag zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser
Die Ortsumgehung verläuft auf 400 m durch ein Trinkwassergewinnungsgebiet der Schutzzone II und auf großen Strecken durch Wasserschutzgebiete der Zone III. Beeinträchtigungen und Gefährdungen des Grundwassers in den Wasserschutzgebieten werden durch Anwendung der Richtlinien für Straßen in Wassergewinnungsgebieten (RiStWag) so gering wie möglich gehalten. Das Straßenwasser im Bereich der Wasserschutzgebiete wird gesammelt und in unterirdische Stauraumkanäle sowie in Regenrückhaltebecken abgeführt, in denen es vorgeklärt wird. Gleichzeitig werden Leichtflüssigkeiten abgeschieden. Bei Verkehrsunfällen mit Gefahrgut können die Anlagen zum Schutz des Emsbaches vor Schadstoffen mit Sperrschiebern verschlossen werden.

V6 Gedrosselte Einleitung des gesammelten Straßenwassers in den Emsbach
Über Stauraumkanäle und Regenrückhaltebecken ist eine gedrosselte Einleitung des gesammelten Straßenwassers in den Emsbach vorgesehen, wodurch erhöhte Hochwasserspitzen und eine Ausweitung des Überschwemmungsgebietes des Emsbaches vermieden werden.

V7 Aufweitung von Durchlässen in geplanten Dammbauwerken für Kleintiere
Die Durchlässe in den geplanten Dammschüttungen bei Bau-km 4+150 und 5+550 werden zur Verminderung von Zerschneidungswirkungen über das hydraulisch erforderliche Maß aufgeweitet. Damit wird es Tieren bis zur Größe von Füchsen ermöglicht, die Durchlässe zu passieren.

V8 Blendschutzvorrichtungen für Fledermäuse an den Emsbachbrücken
An den Brücken über die Emsbachaue bei Erbach und Walsdorf werden zur Vermeidung von Beeinträchtigungen streng geschützter Fledermausarten durch optische Störreize lichtdichte Blenden an den Geländern angebracht.

V9 Begrenzung der Wuchshöhe von Ufergehölzen an den Emsbachbrücken
Im Bereich der Brücken über den Emsbach bei Erbach und Walsdorf wird die Wuchshöhe der Ufergehölze auf Strecken von 10-15 m beiderseits der Bauwerke auf 4 m begrenzt. Dadurch werden Fledermäuse, die entlang der Ufergehölze jagen, unter die Bauwerke hindurchgeleitet und Kollisionen mit Fahrzeugen auf den Brücken vermieden.