5.1 Auswirkungen auf das Schutzgut Mensch einschließlich Siedlungen, Landschaft, Erholung

Die Ortsumgehung wird deutliche Entlastungen der Anwohner der bisherigen Ortsdurchfahrten
und Verbesserungen der Verkehrssicherheit, der Wohnqualität und der
Siedlungsfunktionen in Teilen der Ortslagen von Erbach, Bad Camberg und Würges
bewirken. Dagegen werden das Landschaftsbild und die Erholungsfunktionen im
Bereich der neuen Straßenanlage beeinträchtigt.

L1 Beeinträchtigung des Landschaftsbildes nordwestlich Erbach
   Beeinträchtigung des Wohnumfeldes von Erbach
Der östlich der Kleinmühle in Dammlage geplante Anschluss von Erbach mit der auf einem Damm geführten Anbindung der Ortslage, der 135 m langen Talbrücke über die Emsbachaue und dem anschließenden, bis zu 7,50 m hohen und 210 m langen durch die Aue führenden Damm werden das ortsnahe Gelände nordwestlich Erbach technisch stark überformen und das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen. Traditionelle Sichtbeziehungen zwischen dem westlichen Ortsrand und einem bislang unverbauten Bereich der Emsbachaue werden gestört, naturnahe Landschaftsbestandteile zerschnitten. Auf einer 270 m langen Teilstrecke wird in das Landschaftsschutzgebiet 'Auenverbund Lahn-Dill' eingegriffen.
Die Störungen des Landschaftsbildes und der verkehrsbedingte erhöhte Lärmeintrag werden das Umfeld eines Wohngebietes, die Kleinmühle und einige Kleingärten im Nordwesten der Ortslage von Erbach beeinträchtigen. Zur Überschreitung von Lärmgrenzwerten wird es allerdings nicht kommen. Die Verkehrsverlagerung wird außerdem eine Sportanlage mit Verkehrslärm belasten, die 100 m südlich des geplanten Straßendammes in der Emsbachaue liegt.
Die Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und der Wohnfunktionen werden erheblich sein. Angesichts der Vorbelastungen durch die Gewerbebebauung der Kleinmühle, die naturferne Sportanlage und den Verkehr auf der bestehenden Bundesstraße ist die Eingriffsschwere als „mittel“ zu beurteilen.

L2 Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch einen Geländeeinschnitt
Westlich von Erbach verlaufen die geplante Ortsumgehung und ein neu anzulegender Weg zur Anbindung der Schießsportanlage und eines Bahnhauses westlich der Bahnlinie Limburg-Frankfurt durch einen Geländeeinschnitt von bis zu 70 m Breite und 9 m Tiefe. Das Landschaftsbild wird durch die Abgrabung örtlich sehr stark verändert werden. Betroffen ist ein vergleichsweise attraktiver, von Wiesen und Gehölzen geprägter Bereich. Das Gelände wird in geringem Maße zur Naherholung genutzt.

L3 Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch die Brücke über die L 3030
Die vorgesehene Überführung über die abzustufende L 3030 westlich der Bahnlinie Limburg-Frankfurt und die beiderseits des Bauwerkes erforderlichen Dammschüttungen von etwa 6 m Höhe werden das örtliche Landschaftsbild stören. Der Eingriff ist von eingeschränkter Erheblichkeit, die Eingriffsschwere wird als „mittel“ eingestuft.

L4 Beeinträchtigung der Wohnfunktionen und des Wohnumfeldes des Reichstaler Hofes
Von Bau-km 1+620 - 2+000 verläuft die geplante Ortsumgehung teils im Geländeeinschnitt, teils auf einer Dammschüttung in etwa 100 m Entfernung zum Reichstaler Hof. Anlage und Betrieb der Straße werden das Landschaftsbild beeinträchtigen und die Qualität des Wohnumfeldes und der Wohnfunktionen mindern.

L5 Beeinträchtigung des ortsnahen Landschaftsbildes und des Wohnumfeldes von Würges
Südwestlich Würges verläuft die geplante Ortsumgehung auf einem bis zu 8 m hohen Damm in teilweise weniger als 200 m Entfernung vom westlichen Ortsrand. Durch die Dammschüttung und den Anschluss der K 515 wird das ortsnahe Landschaftsbild technisch überformt und beeinträchtigt. Das Straßenbauwerk wird den Zugang von der Ortslage in die Feldflur südlich und westlich Würges einschränken.

L6 Beeinträchtigung des Wohnumfeldes von Walsdorf
   Lärmbelastung eines Kleingartengebietes
Die Qualität des Wohnumfeldes von Walsdorf wird durch den Betrieb und die Anlage der Ortsumgehung gemindert werden. Für die örtliche Naherholung bedeutsame, landschaftlich attraktive Bereiche der Emsbachaue und des Knallbach-Tälchens werden durch Überformung des Landschaftsbildes und Störungen bedeutsamer Sichtbeziehungen sowie durch erhöhte Belastungen mit Lärm und Schadstoffen ihre Erholungsfunktionen teilweise verlieren. Die Zugänglichkeit der offenen Landschaft wird im Norden und Nordosten des Ortes durch die Straße eingeschränkt werden. Nördlich des Ortes reicht die geplante Straße in Dammlage bis zu 40 m an ein umfangreiches Kleingartengebiet heran, das durch Lärm- und Schadstoffimmissionen beeinträchtigt wird; zur Überschreitung von Lärmgrenzwerten wird es aber nicht kommen. Betroffen ist das für die Bevölkerung von Walsdorf wichtigste Naherholungsgebiet; die Eingriffserheblichkeit ist entsprechend hoch.

L7 Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und Störung schutzwürdiger Sichtbeziehungen nordöstlich Walsdorf
Der Straßenkörper der Ortsumgehung wird nordöstlich von Walsdorf in einem empfindlichen Bereich das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen. Ein circa 150 m langes und bis zu 7 m hohes Dammbauwerk, die 160 m lange Emsbach-Talbrücke und der Anschlussknoten Würges werden eine technische Überformung der Landschaft verursachen. Darüber hinaus werden die attraktiven Sichtbeziehungen zwischen der Emsbachaue und dem historischen Ortsrand von Walsdorf gestört.