5.2.2 Funktionale Beeinträchtigungen von Lebensräumen

Nachfolgend werden lediglich artenschutzrechtlich erhebliche Beeinträchtigungen von Lebensräumen heimischer Vogelarten und streng geschützter Arten aufgeführt. Für sonstige, naturschutzrechtlich minder schwere Auswirkungen, die nach Maßgabe der oben genannten Biotopverluste im Rahmen der Eingriffsregelung kompensiert werden, wird auf den Landschaftspflegerischen Begleitplan verwiesen.

F11 Fragmentierung bedeutsamer Reptilienlebensräume und Unterbrechung bahnbegleitender Gehölze mit Vernetzungs- und Leitfunktionen für Fledermäuse und Vögel.
Der Bau von zwei Überführungen der Bahnlinie Limburg-Frankfurt wird auf insgesamt 150 m die Gehölze und Ruderalbiotope des Bahndammes unterbrechen. Betroffen sind die wichtigsten Reptilienbiotope des Untersuchungsgebietes mit Vorkommen der streng geschützten Zauneidechse. Die bahnbegleitenden Gehölze stellen außerdem für V ö g e l und streng geschützte Fledermäuse bedeutsame Landschaftsbestandteile dar.

F12 Unterbrechung bedeutsamer Vernetzungs- und Leitfunktionen für Fledermäuse
und Vögel zwischen Gehölzen des Bahndamms und den Baumbeständen der Erosionsrinnen. Der geplante, bis zu 70 m breite Geländeeinschnitt nördlich der L 3030 wird den bedeutsamen Biotopkomplex des Bahndamms der Bahnlinie Limburg - Frankfurt von den westlich angrenzenden Baumbeständen und Wiesen trennen. Südlich der L 3030 trennt die auf einer Dammschüttung geführte Ortsumgehung die Gehölze des Bahndamms von dem Baumbestand der Erosionsrinne am Reichstaler Hof. Diese Eingriffe unterbrechen Gehölze, die Vögeln und streng geschützten Fledermäusen als Leitlinien und Jagdgebiet dienen und wichtige Vernetzungsfunktionen erfüllen.

F13 Zerschneidung einer bedeutsamen Fledermaus-Flugbahn.
Im Bereich der geplanten Anbindung und Überführung der L 3031 werden die Ortsumgehung und die Anschlussbauwerke ein Gehölzband zerschneiden, das entlang der L 3031 aus der Ortslage Bad Camberg in die westlich angrenzende Feldflur führt. Die Gehölzreihe ist für streng geschützte Zwerg- und Breitflügelfledermäuse als Leitstruktur und Jagdgebiet von hoher Bedeutung. Bei der Querung der künftigen Ortsumgehung entsteht für die Fledermäuse betriebsbedingt Kollisionsgefahr.

F15 Zerschneidung des Brombach-Tälchens.
Südwestlich Würges quert die geplante Straße auf einer 40 m breiten Dammschüttung das Brombach-Tälchen. Der grabenförmige kleine Bach mit Krautsaum wird in einen aufgeweiteten Durchlass gelegt, eine bachbegleitende Baumreihe wird unterbrochen und angrenzendes intensiv genutztes Grünland überbaut. Die in die freie Feldflur führende Baumreihe wird gelegentlich von streng geschützten Fledermäusen sowie einigen Vogelarten als Leitstruktur genutzt.

F16 Störung von Revieren des Rebhuhns.
In den Ackerkomplexen von Bad Camberg und Walsdorf wurde im Jahr 2009 jeweils ein Brutpaar des in Hessen und Deutschland stark gefährdeten Rebhuhns festgestellt. Beide Revierzentren liegen in einem Abstand von weniger als 150 m zur Fahrbahn der geplanten Ortsumgehung, so dass eine Störung der Reviere anzunehmen ist. Um einen artenschutzrechtlichen Verbotstatbestand nach § 44 BNatSchG zu vermeiden, werden bereits vor Baubeginn populationsstützende Maßnahmen für das Rebhuhn im Planungsraum realisiert.

F17 Beeinträchtigung eines Reviers des Steinkauzes.
Zwischen Würges und Walsdorf quert die Ortumgehung ein Revier des bundesweit stark gefährdeten Steinkauzes. Da die Art zu den stark kollisionsgefährdeten Vögeln zählt und bereits Verluste von Einzeltieren dauerhafte Auswirkungen auf den in Hessen „unzureichenden“ Bestand haben, müssen aus artenschutzrechtlichen Gründen Maßnahmen zur Verminderung des Kollisionsrisikos und zur Stützung der Population des Steinkauzes durchgeführt werden. Vor der Beseitigung sind Bäume im Trassenbereich auf in Höhlen ruhende oder brütende Steinkäuze zu untersuchen.

F18 Zerstörung von Revieren der Turteltaube.
Im Untersuchungsgebiet wurden im Jahr 2009 drei Reviere der in Deutschland gefährdeten und in Hessen auf der Vorwarnliste verzeichneten Turteltaube festgestellt. Durch den Betrieb der neuen Straße und die Zerschneidung des Lebensraumes werden voraussichtlich zwei der Brutstätten (bei Bau-km 1+000 und bei Bau-km 2+900) aufgegeben. Für das dritte Revier am Emsbach bei Walsdorf, das ebenfalls nahe an der Straße liegt, ist angesichts der Vorbelastungen durch den Verkehr auf der bestehenden B 8 keine erhebliche Beeinträchtigung anzunehmen. Um einen artenschutzrechtlich relevanten Verbotstatbestand auszuschließen, werden zur Stützung der lokalen Population der Turteltaube außerhalb der lärmbelasteten Bereiche im weiteren Umfeld der Straßenbaumaßnahme Feldgehölze angelegt.

F19 Beeinträchtigung von Austauschbeziehungen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings.
Zwischen Würges und Walsdorf quert die Ortsumgehung mit einem Damm- und Brückenbauwerk die vom streng geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling besiedelten Auenwiesen am Emsbach. Fortpflanzungsstätten werden dabei zwar nicht überbaut, jedoch wird der Individuenaustausch zwischen den kleinen Kolonien der Tiere beeinträchtigt, die in den Wiesen nahe Würges und auf Teilflächen südlich der geplanten Straßenquerung festgestellt wurden. Um einen artenschutzrechtlichen Verbotstatbestand zu vermeiden, wurde eine populationsstützende Maßnahme festgesetzt.