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Neubaugebiet „Im Geisenstück“ in Oberselters: Magistrat schlägt Verzicht auf bislang vorgesehenen neuen Spielplatzstandort und Anpassung der Planungen vor
Hintergrund ist, dass die Planungen für das Neubaugebiet „Im Geisenstück“ im vergangenen November kurz vor Vollendung aufgrund der zu diesem Zeitpunkt vorgelegten Entwässerungsplanung verändert werden mussten. So wurde offenbar, dass an der tiefsten Stelle des Baugebietes ein Bauplatz wegfallen wird, um ein unterirdisches Regenrückhaltebecken (Rigole) zu errichten. Um diesen Bauplatzverlust angesichts der hohen Bauplatznachfrage zu kompensieren, geriet seitens der Planer der seit vielen Jahren nach Wahrnehmung der Stadtverwaltung nur noch wenig genutzte „Spielplatz Fichtenweg“ in den Blick: Dieser soll dem neuen Baugebiet zugeschlagen und auf dessen Fläche insgesamt drei zusätzliche Bauplätze entwickeln werden. Im Gegenzug soll ein neuer Spielplatz direkt im Baugebiet „Im Geisenstück“ entstehen.
Die Erhöhung der Anzahl der Bauplätze von 28 auf 31 ist wichtig und angezeigt, um angesichts der hohen Nachfrage eine zukunftsorientierte und dem städtischen Wohl dienende Lösung anbieten und das Baugebiet bei verträglichen Bauplatzpreisen wirtschaftlich entwickeln zu können. Zugleich erscheint diese Verlagerung des bisherigen „Spielplatzes Fichtenweg“ fachlich vertretbar, da seit vielen Jahren immer weniger Kinder in dessen Einzugsgebiet wohnen und die Nutzung somit stark abgenommen hat. Der neue Spielplatz direkt im Baugebiet „Im Geisenstück“ sollte sodann auf der Fläche entstehen, die zu einem kleinen Teil für die unterirdische Rigole benötigt wird und somit nicht mehr als Bauplatz veräußert werden kann. Die Stadtverordnetenversammlung schloss sich diesen geänderten Planungen in ihrer Sitzung am 9. Dezember 2025 mit großer Mehrheit an.
Die dergestalt geänderten Planungen begegneten in der Folge jedoch erheblicher Kritik von unmittelbar betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern, die in Form von schriftlichen Stellungnahmen, öffentlichen Verlautbarungen und zwei Ortsterminen vorgetragen wurden.
Der Magistrat der Stadt Bad Camberg beschäftigte sich mit dem Stadtbauamt und den Planern in den vergangenen Wochen gründlich mit den durch die Kritikerinnen und Kritiker vorgetragenen Argumenten. So konnten beispielsweise den Bedenken hinsichtlich der Qualität und Attraktivität des neuen Spielplatzes eine Reihe fachlicher Argumente gegenübergestellt werden: Der neue Spielplatz wäre mit einer Fläche von über 900 qm deutlich größer ausgefallen als in derartigen Fällen aus fachlicher Sicht üblich (rund 500 qm) und es wäre ein Spielplatz entstanden, der deutlich mehr Spielfläche aufweist als andere städtische Spielplätze. Zudem wären von dieser Fläche nur 22% von dem unterirdischen Regenrückhaltebecken (Rigole) betroffen gewesen. Selbst auf diesem Bereich von gut 200 qm hätten jedoch problemlos Spielgräte aufgestellt und verankert werden sowie eine flachwurzelnde Bepflanzung vorgenommen werden können. Auf den übrigen 700 qm wäre zudem eine völlig freie Gestaltung mit vielen neu angepflanzten Bäumen möglich gewesen.
Bürgermeister Daniel Rühl: „Im Laufe der Diskussionen und insbesondere nach dem jüngsten Ortstermin haben sich jedoch im Wesentlichen zwei Punkte herauskristallisiert, die wir auch bei noch so großem Bemühen offenkundig nicht hinreichend entkräften können. Hierbei handelt es sich zum einen um die mangelnde soziale Kontrolle des bislang angedachten neuen Spielplatzstandortes am Rande des Neubaugebietes. Zum anderen und insbesondere um die Nähe des bislang angedachten neuen Spielplatzstandortes zur Eisenbahnstrecke (ca. 40 Meter) und die hieraus resultierenden Risiken für die spielenden Kinder. Natürlich hatten wir eine hinreichend hohe Einzäunung und weitere Maßnahmen vorgesehen, um eine sichere Nutzung des neuen Spielplatzes zu ermöglichen. Es verbleibt jedoch ein Restrisiko, das sich nicht wegdiskutieren lässt und welches wir ernst nehmen.“
Um den in diesem Zusammenhang vorgetragenen Bedenken und Einwänden Rechnung zu tragen und das neue Baugebiet „Im Geisenstück“ mit einem möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens entwickeln zu können, sieht der nun der Stadtverordnetenversammlung zur Entscheidung vorliegende Magistratsbeschluss vom vergangenen Montag folgendes vor:
1. Die finale Beschlussfassung über den Bebauungsplan „Im Geisenstück“ (Satzungsbeschluss) wie ursprünglich für die Stadtverordnetenversammlung am 10. März 2026 vorgesehen, wird zunächst zurückgestellt.
2. Der Magistrat wird beauftragt, die bisherigen Planungen für das Neubaugebiet „Im Geisenstück“ so zu verändern, dass der zugehörige Spielplatz aufgrund der Nähe zur Eisenbahnstrecke und der damit verbundenen Risiken für die spielenden Kinder nicht am bislang planerisch vorgesehen Spielplatz auf dem neu entstehenden Regenrückhaltebecken errichtet werden wird.
3. Der Magistrat wird stattdessen beauftragt, einen Erhalt nebst Ertüchtigung des bisher nur noch wenig genutzten „Spielplatzes Fichtenweg“ aufgrund seiner größeren Distanz zur Eisenbahnstrecke und seiner besseren Einbettung in die Struktur der Wohnbebauung (Stichwort „soziale Kontrolle“) als Spielplatz auch für das Neubaugebiet „Im Geisenstück“ zu prüfen oder alternativ einen entsprechenden Spielplatzneubau an einem anderen Standort innerhalb oder in der Nähe des Neubaugebietes „Im Geisenstück“ mit hinreichendem Abstand zur Eisenbahnstrecke.
4. Der Magistrat wird zudem beauftragt zu prüfen, inwieweit die hierdurch entstehenden finanziellen Mehraufwendungen bzw. Mindererträge im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung des Baugebietes „Im Geisenstück“ über eine Erhöhung der Anzahl an vermarktbaren Bauplätzen an anderer Stelle des fraglichen Baugebietes und/oder über eine entsprechende Erhöhung der Verkaufspreise für die entstehenden Bauplätze refinanziert werden kann.
Bürgermeister Rühl erklärt abschließend: „Wir halten am Neubaugebiet ‚Im Geisenstück‘ fest und wir halten angesichts einer hohen Gesamtnachfrage von gesamtstädtisch über 1.000 Bauinteressenten an der Schaffung von Baumöglichkeiten gerade für junge Familien fest, um die hieraus resultierenden Chancen für unsere Stadt zu nutzen. Gleichzeitig ist es unsere Verantwortung, Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern ernst zu nehmen und dort nachzuschärfen, wo die Sicherheit von Kindern gefährdet erscheint und die Akzeptanz des Gesamtprojekts in Frage gestellt scheint. Genau das tun wir jetzt – sorgfältig und mit Blick auf eine tragfähige Gesamtlösung.“
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